Körperarbeit    
  

   Der Begriff »Körperarbeit« stammt von der frühen psychotherapeutischen Arbeit Wilhelm Reichs.
   
Er war der Begründer der Vegeto- und Orgontherapie. In den späteren sechziger- bis zu den siebziger Jahren, erfuhr die Körperarbeit in der Bioenergetik Alexander Lowens, der Primärtherapie Arthur Janows sowie der Gestalttherapie von Fritz Pearls große Verbreitung siehe Broschüre: Körperarbeit.
   
Die ursprünglichen Wurzeln der Arbeit mit dem Körper und seinen vielfältigen emotionalen Ausdrucksweisen, finden sich allerdings schon im medizinischen Grundlagensystem der Antike und der fernöstlichen Kulturen, wie bei Hippokrates, dem indischen Ajurweda1 und der traditionellen chinesischen Medizin. Siehe: Traditionelle Methoden der Chinesischen Medizin).

   Die Arbeit an und mit dem Muskelpanzer2 bietet den Schlüssel und Zugang zur Auflösung blockierter Energien im Körper und bewirkt die Freisetzung der vitalen Potentiale einer Person.
   Ziel dieser Arbeit ist die Befreiung von der Fixierung aus traumatischen Erfahrungen der Vergangenheit, die sich in den Verkrampfungen und chronischen Spannungen des Körpers manifestiert haben. Der Körper mit seinen inneren Strukturen sowie seinem äußeren Ausdruck stellt die individuelle Lebensgeschichte des Menschen dar.
   Ein Mensch, der in einer Umgebung aufwächst, in der Ideen, Vorstellungen, Programme und Regeln wichtiger sind als individuelle Lebensäußerungen, wird in seinen natürlichen Wachstums- und Entwicklungsprozessen eingeschränkt und gehindert. Dies führt dazu, dass der freie, spontane Fluss der Lebensenergie den Organismus minder- oder unterversorgt und mit der Zeit psychische oder physische Krankheiten entstehen können.

   Die Körperarbeit basiert auf der ungezwungenen Anlage, in Beziehung mit unserer inneren sowie der äußeren Realität zu sein und konfrontiert die vielfältigen Manöver der Beziehungsvermeidung, seien sie physischer, emotionaler, intellektueller oder spiritueller Art. Es geht um vegetative Identifikation, d. h. die lebendige und natürliche Fähigkeit sich mit anderen Menschen sowie der Natur auseinanderzusetzen und eine energetische Verbindung eingehen zu können: »Der Welt mit Authentizität des existierenden Seins zu begegnen, sei es im Ärger oder in Freude«.
   Die Steigerung des Energieniveaus des gesamten Organismus ist eine therapeutische Vorgehensweise. Um dies erreichen zu können steht die Beziehungsarbeit, die wir anbieten im Vordergrund. Die spezifischen Methoden und effektiven Techniken der Körperarbeit, können erst im Rahmen einer solchen Beziehung wirksam werden.
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1Ayurweda uralte medizinische Wissenschaft Indiens. Es ist ein immerwährendes System das bereits im 7. Jahrhundert v. Chr. in Niederschriften von Ärzten, acht Gebiete der Heilkunde - von der Pflanzenheilkunde über die Chirurgie bis zur Psychologie - integriert hatte. Es beinhaltet unter anderem »Das Wissen vom gesunden Leben«. (zurück)

2Muskelpanzer: nach Wilhelm Reich: chronische Muskelverspannungen als körperliche Verankerung charakterologischer Anlagen und spezifischer Verhaltensmuster. (zurück)




Die Gegenwart bewusst wahrnehmen
   
Im gesunden Zustand können wir unseren Körper als ein einheitliches pulsierendes Ganzes beobachten. Nach dem Verständnis traditioneller Medizin-Schulen sind alle sieben Chakren3 vom Kopf bis zum Becken frei. Wilhelm Reich sprach von einer pulsatorischen mit der Atmung einhergehenden Gesamtbewegung, dem so genannten Orgasmusreflex.
   
Ist diese Bewegung an einer oder mehreren Stellen behindert, unterbrochen oder blockiert, werden wir zunächst innerhalb der Praxis die körperliche und emotionale Qualität der Blockierung diagnostizieren und dem Klienten oder Patienten diesen fortdauernden Zustand bewusst machen. Der »Bewusst-Werdungs-Prozess« wird die im Anschluss gezielten Arbeiten an den blockierten Segmenten um ein Wesentliches beschleunigen und das integrierte Funktionieren der verschiedenen Körpersegmente wieder herstellen.

   
Im weiteren Verlauf dieser segmentären Entpanzerungsarbeit werden zwei der wesentlichsten Meridiane4 geöffnet und energetisiert: Das gesamte Meridian-Systeme hat einen besonderen Einfluss auf die Psyche. Die Körperarbeit schafft die biologische Basis, damit Lebensenergie ungehindert durch unseren Organismus fließen und Körperbewusstsein entwickelt werden kann. Der Mensch wird in seiner Dynamik aktiviert, dabei findet nach und nach die »Reenergetisierung« des gesamten Organismus statt, Ausdrucks- und Kontaktfähigkeit werden dabei wieder belebt. Im günstigen Therapieverlauf wird der Kopf von zwanghaftem Denken befreit. Das Zwerchfell wird aus der »Hab-Acht-Stellung« erlöst, Brust, Bauch und Rücken werden gelockert, damit Ängste, Schuld, Schmerz oder Zorn bewusst gemacht werden können. Das Becken wird beweglicher und die sexuell-genitale-Funktion bis zur vollen orgiastischen Potenz wieder hergestellt. Der Körper findet zu seiner ursprünglichen Beweglichkeit zurück, Der so Behandelte fühlt sich wieder weich und empfänglich, vertrauensvoll und offen, er kann sich an einer natürlichen Gesundheit erfreuen. Siehe Medizinische Behandlungsverfahren: Energiearbeit an den Hauptmeridianen.

Möglichkeiten der erweiterten Bewusstseins-Arbeit
   
Ergänzend zur oben beschriebenen panzerlösenden Arbeit an den Körpersegmenten der beiden Haupt- und der dazugehörigen Nebenmeridiane, erweiterten wir die Körperarbeit, um die energetische Verbindung zwischen den beiden Hauptmeridianen herzustellen und das kreative Potential des Menschen freizusetzen. In der taoistischen Lehre - als das »Kreisen im kleinen Energiekreislauf« oder der tantrischen Lehre, als das »Erwecken der Kundalini« - sind diese Techniken schon seit Jahrtausenden bekannt.
    Sind der Körper, das Denken und das Fühlen von blockierten Energien befreit, erlernt der Klient die Fähigkeit durch bewusstes Atmen, die Energie von seinem inneren Kern zur äußeren Peripherie und darüber hinaus, bis an die Grenzen seines eigenen Energiefeldes - der »Aura« - auszudehnen. Durch das Arbeiten mit dieser Übung wird die Ausdrucks- und Kontaktfähigkeit des gesamten Organismus entfaltet und das Körperbewusstsein stabilisiert sich.

Anmerkung: Vielen Menschen fehlt die notwendige Erfahrung für den Umgang mit den immensen frei werdenden Energie die bei der Körperarbeit entstehen. Die fortgeschrittene Arbeit an der persönlichen Weiterentwicklung erfordert Übung und Disziplin, Ruhe und Geduld, um die freigesetzte Lebensenergie optimal im alltäglichen Leben auszurichten und entsprechend einzusetzen.

   Um die Verbindung zwischen der inneren persönlichen Entwicklungsarbeit zum Realitätsgefüge im Außen herstellen zu können und Ausdrucks- und Beziehungsfähigkeit als Ziel zu erreichen, haben wir die zahlreichen sehr effektiven Konzepte und Methoden der traditionellen Medizinschulen sowie die der modernen psychoanalytischen Schule übernommen und selbst weiterentwickelt.
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3 Die sieben Chakren oder Energiezentren entsprechen sieben Körpersegmenten, die über den gesamten Körper verteilt dargestellt sind. Es handelt sich um Energiefelder, die von körpereigenen endokrinen Drüsen erzeugt werden. Zu den so genannten klassischen Hormondrüsen zählen vom Becken aufwärts bis zum Kopf: 1. die Ovarien und Testis, die weiblichen und männlichen Geschlechtsdrüsen; 2. Nebenniere mit Rinde und Mark; 3. Pancreas oder der Inselapparat der Bauchspeicheldrüse; 4. Brust- oder Thymusdrüse, 5. Thyreoidea oder Schilddrüse mit Epithelkörperchen; 6. Epiphyse oder Zirbeldrüse und 7. die Hypophyse oder Hirnanhangdrüse. Die endokrinen Drüsen und das Gehirn regulieren den gesamten Energiefluss unseres Organismus. (zurück)

4Meridian oder Leitbahn geht zurück auf den chinesischen Begriff jing mo. Jing bedeutet soviel wie »leiten, transportieren, fortleiten«, mo »pulsieren«. Eine fortgeleitete Pulsation erinnert an den klassischen westlichen Begriff der Arterie und entspricht ihrer sinnlichen Beschreibung als Schlagader. Da der Begriff der Arterie wissenschaftlich besetzt ist, benennt man dieses chinesische Bild eines fortgeleiteten, energetischen, pulsierenden Prozesses mit »chinesische Arterie« = sin arteria, im Deutschen: Leitbahn oder Energieverlaufsbahn, eine Energie führende Struktur. Das gesamte Leitbahnsystem entspricht einem komplexen Netzwerk miteinander verbundener Bahnen oder Kanäle – den sog. Meridianen – die sich durch verschiedene Muskeln und Gewebe sowie Nerven-, Blut-, Hormon-, Lymph- und Organsysteme ziehen. (zurück)